Das Lincoln-Quartier feiert sein 25-jähriges Bestehen – und damit ein Vierteljahrhundert erfolgreicher Stadtentwicklung, sozialer Integration und nachhaltiger Quartiersgestaltung. Wir blicken mit Stolz auf ein Projekt zurück, das in vielerlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt hat und haben mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ein buntes Sommerfest mit Aktionen für Jung und Alt gefeiert. Maria Winkel, Bürgermeisterin, und Stefan Wismann begrüßten die Gäste und die Meterinnen und Mieter der ersten Stunde.
Vom Kasernengelände zum lebendigen Wohnquartier
Entstanden auf dem Gelände der ehemaligen britischen Lincoln-Kaserne, steht das Quartier „Wohnen an der Gasselstiege“ exemplarisch für eine gelungene Konversion und Nachverdichtung im Bestand. Was einst eine militärisch genutzte Fläche war, ist heute ein lebendiges, durchmischtes Wohnviertel mit rund 430 Wohneinheiten in denkmalgeschütztem Altbau und moderner Neubebauung – ergänzt durch gewerbliche Nutzungen, soziale Infrastruktur und großzügige Grünflächen.
Städtebau mit Bürgerbeteiligung
Die städtebauliche Entwicklung basierte auf einem kooperativen Wettbewerb im Jahr 1996 unter Einbindung der Bürgerschaft. Der prämierte Entwurf des dänischen Architekten Prof. Carsten Lorenzen wurde zum Ausgangspunkt eines nachhaltigen Quartiersmodells: Der denkmalgeschützte Bestand wurde behutsam modernisiert, neue Gebäude in die Struktur integriert.
Soziale Durchmischung statt Monostruktur
Ein besonderes Augenmerk lag auf sozial ausgewogener Belegung und der Förderung einer vielfältigen Bewohnerschaft. Gemeinsam mit dem Verein „Dach über’m Kopf“ wurden 80 Wohnungen gezielt vergeben – an Familien, Alleinerziehende, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Migrationsgeschichte, ehemals Wohnungslose und Sozialhilfeempfänger. Unterstützt wurde dieser Prozess durch Informationsveranstaltungen, Nachbarschaftstreffen und die Gründung eines aktiven Bewohnervereins. 31 Mieterinnen und Mieter der ersten Stunde wohnen bis heute in ihrer Wohnung. Eigentumswohnungen sorgen mit für soziale Stabilität. Eine Eigentümergemeinschaft besteht jeweils im Denkmal und im Neubau.
Integration von Arbeit, Bildung und Wohnen
In Zusammenarbeit mit dem Verein „Dach über’n Kopf“ entstanden nicht nur Wohnungen für Menschen in prekären Lebenslagen, sondern auch Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote im Bauwesen – ein Vorreiterprojekt im Sinne sozialer Stadtentwicklung. Junge Erwachsene und Langzeitarbeitslose wurden in Bauprojekte eingebunden, weitergebildet und erhielten im Anschluss Wohnraum im Quartier.
Nachhaltigkeit und Mobilität als Prinzip
Das autofreie Konzept mit parkähnlicher Innenzone, durchlässiger Bebauung und Versickerungssystemen für Regenwasser zeigt beispielhaft, wie moderne Stadtentwicklung mit ökologischer Verantwortung verbunden werden kann. Eine Carsharing-Station sorgt für zusätzliche Mobilität – auch über das Quartier hinaus.
Wohnen mit hoher Lebensqualität
Mit seiner Lage am Grünzug Vorbergshügel/Gasselstiege, der Nähe zur Altstadt (2,5 km), guter ÖPNV-Anbindung und fußläufig erreichbarer Nahversorgung bietet das Lincoln-Quartier noch heute urbanes Leben in stadtnaher Umgebung. Eine Kindertagesstätte, barrierefreie Wohnungen, Gemeinschaftsräume und kulturelle Nutzungen runden das Angebot ab.
25 Jahre Lincoln-Quartier stehen für:
- den erfolgreichen Wandel militärischer Konversionsflächen
- den Einklang von Denkmalschutz, Neubau und sozialem Anspruch
- eine integrative Stadtplanung mit starker Bürgerbeteiligung
- gelebte Nachhaltigkeit und innovative Wohnformen
„Wohnen an der Gasselstiege“ im Lincoln-Quartier
April 1996: Städtebaulicher Wettbewerb
- Entwurf des Planungsteams von Prof. Carsten Lorenzen,
1. Preisträger des städtebaulichen Architektenwettbewerbs (durchgeführt mit Bürgerbeteiligung)
September 1997: Kauf des Grundstücks
- Grundstücksgröße: ca. 66.000 m² + Randgrundstücke
Anfang 1999: Bebauungsplan mit Gestaltungsfibel
Insgesamt entstehen 430 Wohneinheiten in denkmalgeschütztem Altbau und moderner Neubebauung – ergänzt durch gewerbliche Nutzungen, soziale Infrastruktur und großzügige Grünflächen.
Denkmalgeschützte Bausubstanz Dreizehner Straße
- Bauzeit: Mai 1998 – Ende 1999
- 142 Wohnungen (freifinanziert, öffentlich gefördert, Eigentumswohnung) und eine Kindertagesstätte.
- Nutzung der Tiefgeschosse der denkmalgeschützten Gebäude an der Dreizehnerstraße als Tiefgaragen
- Wohnfläche insgesamt 10.045 qm
- Gesamtkosten: 25 Mio. DM
Denkmalgeschützte Bausubstanz Fresnostraße. 37)
- 24 Eigentumswohnungen.
- Wohnfläche insgesamt 1.463 qm.
- Gesamtkosten 3,62 Mio. DM
- Baubeginn: Anfang 2000
Denkmalgeschützte Gebäude entlang der Grevener Str.:
- gemischte Nutzung: Gewerbe, Dienstleistungen, Wohnungen, Ateliers
- Neubau mit Nahversorgungszentrum, Dienstleistungen: Lidl (700m²), EDV, Textil Groß- u. Einzelhandel
Neubau:
- Hochbaumaßnahmen im nördöstlich gelegenen Bereich des Geländes der ehemaligen Lincoln-Kaserne: Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser in 2- bis 3-geschossiger Bauweise und gemischter Bebauung
- 56 Reihenhäuser, 58 Eigentumswohnungen, 102 öffentlich geförderte Mietwohnungen
- barrierefreie Wohnungen und Betreutes Wohnen
- z. T. alten- und behindertengerechte Wohnungen
Bauzeit stufenweise: 08/1999 bis 05/2005
Neubau zeichnet sich durch eine für Münster damals außergewöhnliche Architektur aus.
Ökologie/Dienstleistung:
Verkehrsarmes Neubaugebiet: Der ruhende Verkehr wird in Parkplätzen und Parkdecks am nördlichen Rand des Geländes untergebracht.
Parkähnlicher Grüngürtel mit Kinderspielplätzen
Regenwasserversickerung in großem Umfang bei optimalen Bodenverhältnissen
CarSharing-Konzept
Gemeinschaftsräume und Gästewohnung
Auszeichnungen:
Bauherrenpreis Modernisierung 1999: Besondere Anerkennung für das Projekt „Umnutzung eines ehemaligen Kasernengebäudes zu Eigentumswohnungen, Dreizehnerstrasse“ im Lincoln-Quartier („Wohnen an der Gasselstiege“), Auslober: Arbeitsgruppe KOOPERATION des GdW Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen, des Bundes Deutscher Architekten BDA und des deutschen Städtetages.
Stadtbildwettbewerb 2000: Die schönsten Wohnhäuser in Münster, Auszeichnung für Wohngebäude Fresnostr. 7-11, Auslober: Oberbürgermeister der Stadt Münster
„Modernisierung im Bestand“, Preis für das Lincoln-Quartier, Auslober: sternstadt, eine Aktion von stern und Schwäbisch Hall
Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW 2000 für das Objekt „Wohnen an der Gasselstiege“, Auslober: Ministerium für Bauen und Wohnen des Landes Nordrhein-Westfalen und der Architektenkammer NRW.